Saturday, August 06, 2005

Ferien zu Ende, jetzt endgültig

Jetzt sind wir also wieder in Brüssel und die Ferien sind endgültig zu Ende. Heute war das Wetter noch mal schön, also hat JP noch mal das Barbecue rausgeholt und wir haben ein echtes amerikanisches Barbecue gemacht. Aber ihr wollt ja wissen, wie unsere Ferien am Strand waren. Hier also die Details:

Montag:
Endlich geht es los, und das sogar relativ geordnet. Mireille war wie gesagt morgens ins Büro gefahren, also haben Jean Pierre und ich Kinder und Gepäck ins Auto verfrachtet und sind los. Das ging sogar überraschend schnell, obwohl wir natürlich wieder Gepäck für eine halbe Kompanie dabei hatten. Nach einem kurzen Zwischenstopp bei Jean Pierres Eltern, um deren Fernseher zu reparieren und die Kinder zu füttern, ging es dann weiter nach Knokke. Knokke wäre gerne das, was Cannes für Frankreich ist, schafft es aber nicht so ganz, da sie eben, tja, nicht am Mittelmeer, sondern nur an der schnöden Nordsee liegt. Das heißt aber nicht, dass es nicht trotzdem eine Luxusstadt ist. Es gibt zwar jede Menge Läden, in die meisten trau ich mich aber gar nicht erst rein, weil mich die Verkäuferinnen schon von weitem böse angucken. Anscheinend sieht man mir schon von weitem an, dass ich mir keine Guccijeans leisten kann. Zu dumm.

In Knokke wohnten wir direkt an der Luxusstraße, der Kuistlaan – oder vornehmer: Avenue de la Litteroral (Knokke liegt zwar im Flämisch sprechenden Teil von Belgien, aber alle Leute da sind so etepetete, dass sie nur Französisch sprechen) und zwar im Appartement von JPs Boss, was hieß: bloß nix kaputtmachen – super, wenn man zwei hyperaktive Kinder dabei hat. Aber im letzten Jahr ist es auch gut gegangen, warum also diesmal nicht.

Nachdem Mireille dann auch eingetroffen war, sind wir erstmal auf dem Deich (der hier natürlich gepflastert und von schnieken Kunstgalerien gesäumt ist) spazieren gegangen, für den Strand war es nämlich leider etwas kühl. Danach sind Mireille und ich noch einkaufen gegangen, in einem ganz normalen Supermarkt und wir haben für die paar Sachen, die wir gekauft haben, ein Heidengeld bezahlt. Gut ist nicht meins, aber trotzdem.

Dienstag
Strandtag, wenigstens kommen wir raus. Es ist zwar zu kalt, um zu baden, aber um am Strand zu liegen, reicht es allemal. Also bauen wir Sandburgen, suchen Muscheln und versuchen Charlotte zu überzeugen, dass das Meer nicht darauf aus ist, sie zu fressen. Delphine dagegen liebt das Meer und ist kaum aufzuhalten.

Mittwoch
Heute kamen uns ein paar Freunde mit ihren Kids besuchen und mir ist mal wieder aufgefallen, wie sehr Charlotte noch ein Baby ist. Ich dachte immer, ich bilde es mir ein, weil ich sie mit meiner Kleinen aus Amiland vergleiche, die sogar noch etwas jünger war, als ich kam, und schon sehr viel reifer, aber die Kids von der Familie waren echt unglaublich. Selbst der Kleine mit seinen 2 Jahren war superselbstständig. Charlotte dagegen heult bei jeder Kleinigkeit, gebraucht Babysprache und benimmt sich auch sonst häufig nicht wie eine 4-Jährige. Ich meine, auf der einen Seite ist es verständlich, sie ist eifersüchtig auf Delphine, die wirklich von ihren Eltern mehr Aufmerksamkeit bekommt. Auf der anderen Seite ist es aber auch sehr nervig. Meiner Meinung nach lassen ihre Eltern ihr aber auch zu viel durchgehen, wenn sie sie daneben benimmt. Gut, es sind Ferien, aber deshalb muss man dem Kind noch lange nicht alles durchgehen lassen. Heute Abend war ich auch zum ersten Mal ein bisschen sauer auf meine Gasteltern, muss ich zugeben: sie sind abends noch mit ihren Freunden essen gegangen, ich bin mit Delphine zu Hause geblieben, eigentlich ja kein Problem. Sie haben Charlotte mitgenommen, weil sie sonst wohl einen mittleren Wutanfall bekommen hätte, eigentlich auch noch nicht so schlimm. Aber sie sind erst um 1 Uhr nachts wiedergekommen, „weil es doch s schön war“ – und das mit einem 4-jährigen Kind. Ich meine gut, sie sehen die Leute nicht oft, aber dann lasse ich die Kinder zu Hause, dass Charlotte den ganzen nächsten Tag mies gelaunt sein würde, war klar. Warum denken diese Leute nie an so was???

Donnerstag
Noch mal ein Strandtag, obwohl es tierisch windig war. Ich habe es jedenfalls nicht gewagt, in meinem Bikini am Strand herumzusitzen, aber die Kids haben da natürlich kein Problem mit. Natürlich war Charlotte vollkommen übermüdet und knatschig, aber wir haben sie zu einem Mittagsschlaf überredet, und dann ging es. Abends sind wir dann alle zusammen essen gegangen, in einer Meerstadt wie Knokke natürlich Fisch – oder für mich, die keinen Fisch mag: Muscheln, die hier mit Fritten serviert werden (wie eigentlich alles immer mit Pommes kombiniert wird) Als Vorspeise hatten meine Gasteltern Austern bestellt, seltsam, aber gar nicht mal so schlecht die Dinger. Belgier wissen wirklich gut, wenn auch nicht wirklich fettarm, zu speisen.

Freitag
Unser letzter Tag, und natürlich regnet es in Strömen. Also sitzen wir mit den Kindern im Appartement fest. Mireille und Jean Pierre fahren mit Charlotte Einrichtung fürs Haus gucken, während ich Delphine entertaine. Als es am Nachmittag etwas aufklart, flüchten wir nach draußen, shoppen auf der noch einigermaßen bezahlbaren Lippeslaan, wirklich angenehm ist es aber immer noch nicht. Meine Gasteltern geben mal wieder ein Vermögen für Kinderkleidung aus, etwas, dass ich nie verstehen werde – wie kann man 120 Euros für einen Rock ausgeben, der dem Kind in einem Monat zu klein sein wird? Ich meine, es ist sicher schön, wenn die Kinder niedlich aussehen, aber der Kleiderschrank platzt schon jetzt aus allen Nähten. Charlotte hat so ca. 30 Hosen, 70 T-Shirts und Pullis und 50 Kleider, für Delphine noch mal das Gleiche. Wie auch immer, wir sind jedenfalls alle froh, als die Kids abends im Bett sind. Nach dem Abendessen (Schnecken – lecker) gehe ich noch ein bisschen Leute gucken: Auf der Avenue de la Littoral ist Mitternachtsshoppen angesagt. Wer jetzt denkt, das ist so wie bei uns, es machen einfach alle Geschäfte auf, der hat sich geirrt. Das hier ist immerhin Knokke. Hier ist Midnightshopping deluxe angesagt. Die Leute sind aufgebrezelt wir für die Oper, vor jedem Laden stehen Cocktailtische in einem abgesperrten Areal (mit Türsteher sehr lustig) an denen es Champagner und kleine Häppchen gibt. Und nebenbei kann man sich noch das neue Hermes-Täschen oder den Pelzmantel von Dior zulegen. Ich glaube, ich kam mir noch nie so out of place vor. War aber sehr lustig.

Samstag
Heute ging es wieder nach Hause. Da es ja Samstag und damit mein freier Tag war, bin ich morgens in den Zug gestiegen und nach Brügge gefahren. War ein Tipp von meinen Gasteltern und ich war ja anfangs nicht so ganz davon überzeugt, aber ich muss sagen: es lohnt sich wirklich. Die Stadt ist wunderschön, so viele alte Gebäude auf einem Haufen habe ich noch nie gesehen, wirklich eine ganz besondere Atmosphäre. Es gibt natürlich ne Menge Geschäfte, aber die fügen sich erstaunlich harmonisch ins Stadtbild ein. Verwinkelte Gassen, leicht schiefe Häuser, Huckelpflaster: Brügge ist auf jeden Fall eine Reise wert. Und ich habe sogar ein paar Schuhe gefunden, wunderschön, Liebe auf den ersten Blick. Danach ging es dann zurück nach Brüssel, wo ich natürlich lange vor meinen Gasteltern ankam, die noch ewig gebraucht haben, um in Knokke loszukommen.

So, das waren jetzt fast 2 Wordseiten Text, ich denke nicht, dass ihr euch über diesen Reisebericht beschweren könnt. Danke an alle, die mir gemailt haben, ich werde euch antworten, sobald ich kann.

Sarah

PS: Berit og Silke: Jeg haper at deres hadde en god reise til Norge og at alt er fantastisk. Har deres allerede nye adresser? Hvis ja, skriver meg de snart, jeg vil gjerne skriver lange brev til Norge.

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