Sarah ist krank und wird Patentante
So richtig krank war ich ja schon ewig nicht mehr, höchstens mal ne Erkältung oder so was und ich glaube, seit jenem Tag als mir ein gewisser Bus über den Fuß rollte, hab ich in der Schule nicht mehr wegen Krankheit gefehlt. Naja, Donnerstag fühlte ich mich dann jedenfalls richtig mies, aber es half ja nichts, ich musste ja zu meinen Großeltern fahren, weil mein Patenkind getauft werden sollte. Ich stieg also, vollgepumpt mit Aspirin, morgens in den Zug. Leider hielt die Wirkung genau bis Mittags, so dass ich ab Berlin entweder gefroren habe wie ein Schlosshund oder geschwitzt wie ein Schwein. Ich muss furchtbar ausgesehen haben, jedenfalls meinte mein Sitznachbar, mir doch einen Tee zu kaufen, weil ich so krank aussehe. Es gibt doch noch nette Menschen. Bei meiner Oma angekommen, war ich dann vollkommen fertig und bin Donnerstag nur noch zum Arzt, der mir Penicillin verschrieben hat, da ich mir eine Mandelentzündung eingefangen hatte. Das Zeug half nicht wirklich, wie sich später rausstellte war es viel zu niedrig dosiert, das passiert eben, wenn man solche Feld- Wald- und Wiesendoktoren vertrauen muss, weil es in der Pampa nichts anderes gibt. Jedenfalls ging es mir die nächsten beiden Tage so richtig mies, ich habe nicht richtig geschlafen, mir war schlecht und ich hatte 40 Fieber. Wusste gar nicht mehr, dass Kranksein soo eklig ist.
Sonntag war dann die Taufe und ich fühlte mich wieder so einigermaßen auf dem Damm, was auch ganz gut so war, immerhin musste ich am gleichen Tag noch wieder 7 Stunden mit dem Zug nach Greifswald zurück. Die Taufe war schön, dauerte nur leider ziemlich lange – und das mir Heidenkind, das normalerweise Kirchen meidet wie der Teufel das Weihwasser und ihre Abschlussarbeit über die Demokratiefeindlichkeit des christlichen Fundamentalismus in den USA schreiben wird (aber das muss man ja nicht so laut sagen, sonst bekomme ich nie wieder ein Visum für meine zweite Heimat). Aber mein Patenkind ist sooo süß. Allerdings war es mir dann nach ein paar Stunden doch ein wenig zu viel Trubel und Familie um mich rum und ich war ganz froh, dass ich mich um 2 wieder in den Zug setzen konnte. Montag fing dann auch die Uni schon wieder an, ich bin allerdings erstmal zum Arzt, der mir ein neues Antibiotikum verschrieben hat, dessen Power mich dann für den Rest des Tages mit Hammerkopfschmerzen ausgeknockt hat. Aber zumindest ging es mir am nächsten Tag wesentlich besser.


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